
Letzte Woche hat mich ein befreundeter Erdbauer aus Kempten gefragt, ob er wirklich Software braucht oder ob seine Excel-Listen nicht doch reichen. Ich habe ihm meine nassen Stiefel gezeigt und gesagt: 'Wenn du willst, dass dein Polier mehr schaufelt als schreibt, dann ja.' Wir hatten neulich auf einer Sanierungsbaustelle in Sonthofen wieder den Klassiker – der Regen peitschte waagerecht, und das Papier-Bautagebuch sah nach fünf Minuten aus wie ein nasser Lappen. Wer da noch versucht, ein sauberes Aufmaß für die Abrechnung zu retten, hat eigentlich schon verloren.
Bevor wir ans Eingemachte gehen: Auf dieser Seite finden Sie Affiliate-Links zu Software-Lösungen, die ich selbst im Betrieb nutze oder bei Kollegen eingeführt habe. Wenn Sie über diese Links kaufen, erhalte ich eine Provision – für Sie bleibt der Preis gleich. Ich empfehle hier nur Werkzeuge, die ich selbst im Matsch und im Büro getestet habe und für die ich am Stammtisch gerade stehe.
Vom schnellen Klick zur echten Kalkulation
Ich habe 2021 mit SiteVisor angefangen. Das Tool ist super, wenn man schnell von Papier auf Digital umsteigen will. Es ist intuitiv, die Jungs verstehen es sofort und man hat erst mal Ordnung. Aber als wir Anfang dieses Jahres ein größeres Mehrfamilienhaus kernsaniert haben, stießen wir an Grenzen. Wenn es darum geht, das Leistungsverzeichnis (LV) direkt mit dem Aufmaß und der Abschlagsrechnung zu verknüpfen, wurde es mit SiteVisor hakelig. Man merkt, dass die Software eher aus der Ecke 'Dokumentation' kommt, während ich jemanden brauche, der auch meine Abrechnung im Griff hat.
Deshalb habe ich im Februar den harten Cut gemacht und bin komplett auf Bauprogramm umgestiegen. Warum? Weil ich dort alles in einer Kette habe: Vom LV über das Bautagebuch bis zur Schlussrechnung. Wenn mein Polier auf der Baustelle die Mengen eintippt, habe ich fünf Minuten später die Rechnungsgrundlage auf dem Schirm. Wer wissen will, ob sich das finanziell trägt, sollte einen Blick in meinen Bericht werfen: Baumanagement Software für 12 Mann: Lohnt sich die Investition in Bauprogramm?

Der Umstieg: Drei Tage Kopfschmerzen, die sich lohnen
Ich will Sie nicht anlügen – der Wechsel war kein Spaziergang. Ich saß Mitte Februar drei Abende lang im Büro und habe meine alten LV-Stammdaten händisch ins System geklopft. Der manuelle Aufwand bei der Erstkonfiguration ist bei Bauprogramm der größte Brocken. Wer glaubt, man drückt einen Knopf und alles ist da, der irrt. Man muss die Mitarbeiter anlegen, die Stundensätze hinterlegen und die wichtigsten Positionen definieren.
Aber – und das ist das entscheidende Aber: Seit diese drei Tage rum sind, läuft die Kiste. Wir sparen bei 12 Mitarbeitern heute etwa eine halbe Stunde pro Kopf und Tag. Rechnen Sie das mal durch: Das sind 6 Stunden reine Arbeitszeit, die wir jeden Tag gewinnen. In einer Woche ist das fast eine komplette Stelle, die nicht mit Zettelschreiben vertrödelt wird. Wenn Sie noch überlegen, wie Sie den Sprung schaffen, hilft Ihnen vielleicht dieser Leitfaden: Excel Bautagebuch ersetzen: Schritt für Schritt zur digitalen Baudokumentation.
SiteVisor vs. Bauprogramm: Der direkte Vergleich
Hier muss man ehrlich sein: Es kommt darauf an, was Sie für ein Typ sind. SiteVisor ist der 'VW Golf' – einsteigen, losfahren, passt für fast jeden. Es ist schlank und die App-Bedienung ist kinderleicht. Aber wenn Sie als Generalunternehmer (GU) agieren oder komplexe Sanierungen mit vielen Nachträgen haben, brauchen Sie mehr Power. Bauprogramm ist eher der 7,5-Tonner mit Kran – man muss erst mal lernen, ihn zu bedienen, aber dann bewegt man damit ganz andere Lasten.
Ein Beispiel aus dem Tiefbau: Wir haben im Oberallgäu oft Ecken, da ist der Empfang so schlecht, dass man nicht mal telefonieren kann. Bauprogramm hat einen Offline-Modus, der wirklich funktioniert. Der Polier schreibt sein Bautagebuch im Funkloch, und sobald er oben am Pass wieder Netz hat, synchronisiert sich alles. Bei SiteVisor hatte ich da öfter mal Daten-Schluckauf. Mehr dazu erfahren Sie hier: Bauprogramm offline nutzen: Funktioniert die Bautagebuch App im Funkloch?.

Harte Zahlen aus dem Allgäuer Baualltag
Lassen Sie uns über Geld reden. Ein Abo für eine vernünftige Software kostet Sie monatlich weniger als eine Tankfüllung für den Bagger. Aber der Hebel ist gewaltig. Wir haben durch die Umstellung die Zeit zwischen 'Leistung erbracht' und 'Rechnung raus' von durchschnittlich 14 Tagen auf 2 Tage gedrückt. Das verbessert die Liquidität massiv. Bei einem Sanierungsprojekt im April konnten wir so die Skonto-Fristen bei den Materiallieferanten viel besser ausnutzen, weil wir wussten, wo wir stehen.
Ein Kritikpunkt an Bauprogramm? Die Optik ist eher sachlich-altbacken. Es sieht nicht aus wie eine schicke Silicon-Valley-App, sondern wie ein Werkzeug aus dem Fachhandel. Aber ganz ehrlich: Mir ist egal, wie bunt die Buttons sind, solange das Aufmaß stimmt und die VOB-Konformität gegeben ist.
Fazit: Was sollten Sie jetzt tun?
Wenn Sie einen kleinen Betrieb haben und die Nase voll haben von verlorenen Zetteln und Excel-Tabellen, die keiner versteht, dann ist jetzt der Moment. Wenn Sie nur ein digitales Bautagebuch suchen, ist SiteVisor eine solide Wahl. Wenn Sie aber Ihren gesamten Betrieb – vom ersten Angebot bis zur Schlussrechnung – professionell aufstellen wollen, dann führt an Bauprogramm kein Weg vorbei.
Mein Rat: Nehmen Sie sich ein Wochenende Zeit, beißen Sie sich durch die Einrichtung und lassen Sie das Gejammer der Jungs auf der Baustelle in der ersten Woche an sich abperlen. Nach zwei Wochen wollen die das Handy nicht mehr hergeben, weil sie abends früher Feierabend haben. Wer Meter machen will, braucht vernünftiges Werkzeug. Probieren Sie es aus – es lohnt sich unterm Strich jeden Tag.