WerkTakt

Bausoftware für den Gewerbebau: Digitale Dokumentation für kleine Betriebe

Bausoftware für den Gewerbebau: digitale Dokumentation und Bauprogramm-Vergleich für kleine Betriebe

Der Bauherr nimmt mir das Tablet aus der Hand, wischt selbst durch den digitalen Fortschrittsbericht, blättert zurück zum Foto vom Rohbau der Maschinenhalle und nickt nur kurz. Keine Rückfrage, kein Misstrauen. Genau in diesem Moment wird mir wieder klar, wofür sich digitale Dokumentation im Gewerbebau eigentlich lohnt. Als Betrieb mit zwölf Mitarbeitenden stehen wir bei jedem neuen Projekt vor derselben Frage: Welche Baumanagement-Software trägt uns wirklich durch ein Gewerbebau-Projekt, und welche bleibt am Ende nur eine hübsch verpackte Bautagebuch-App?

Wer im Gewerbebau unterwegs ist, kennt den Unterschied zum privaten Häuslebauer: Architekten sind strenger, Bauherren haben eigene Rechtsabteilungen, und die VOB/B ist unser tägliches Brot. Genau deshalb habe ich mich 2021 erstmals ernsthaft mit Bausoftware beschäftigt – vorher liefen bei uns vier Jahre reine Papierordner, danach sechs Jahre Excel-Tabellen, die ich sonntags im Büro mit den Notizen meiner Jungs abgeglichen habe.

Bauprogramm-Vergleich: Warum SiteVisor bei uns nicht mehr reichte

Mein erster digitaler Schritt war SiteVisor. Für den Einstieg vom Papier weg war das Programm brauchbar – einfach zu bedienen, schnell erklärt. Sobald die Projekte im Gewerbebau komplexer wurden, etwa bei der Sanierung eines Mehrfamilienhauses oder dem Bau einer Logistikhalle, geriet die Testlizenz an ihre Grenzen: kein vollständiges LV-Modul, dafür ein Preis, der für einen Kleinbetrieb wie unseren kaum zu rechtfertigen war. Wie tief ein Programm das Leistungsverzeichnis tatsächlich einbindet, wäre ein eigener Artikel wert – bei SiteVisor blieb genau das die Schwachstelle, an der wir uns die Zähne ausgebissen haben.

Ein befreundeter Bauunternehmer aus der Nachbarschaft, Anton Rietzler, hat diese Entscheidung monatelang vor sich hergeschoben – er wägt so etwas lieber zehnmal ab, bevor er einen Vertrag unterschreibt. Als er sich schließlich für den Umstieg entschied, ist er dabei geblieben, ohne zu schwanken. Bei mir ging es schneller: Nach rund zwei Monaten im Parallelbetrieb habe ich komplett auf Bauprogramm umgestellt, weil es für Praktiker gebaut wirkt und nicht für Informatiker, die noch nie in einer Maschinenhalle standen.

Robustes Tablet mit Bautagebuch-App auf dem Betonboden einer Gewerbebau-Baustelle

Was zählt eine Bautagebuch-App im Ernstfall wirklich?

Im Gewerbebau, wo wir häufig als GU für Teilgewerke auftreten, reicht ein hübsches Dashboard allein nicht aus. Entscheidend ist, ob die Dokumentation im Streitfall Bestand hat. Welche genauen Fristen und Formvorschriften laut GoBD dahinterstecken, würde hier zu weit führen – für unseren Alltag zählt vor allem, dass ein handschriftlicher Zettel ohne Zeitstempel und Foto vor einem Anwalt der Gegenseite wenig wert ist.

Für Nachtragsmanagement und Regieberichte gilt dasselbe Prinzip, auch wenn das ein eigenes umfangreiches Kapitel für sich ist: Ohne sauberen Nachweis verlieren Sie im Zweifel Geld, das Ihnen eigentlich zusteht.

Analoge Zwischenschritte für saubere Daten

Was viele Softwareanbieter nicht verstehen: völlige Automatisierung überfordert kleine Betriebe eher, als dass sie hilft. Sage ich meinen Jungs „ab morgen tippt ihr alles live in die App", habe ich übermorgen Datensalat oder Kündigungen. Deshalb arbeiten wir noch mit laminierten Checklisten und Notizen auf dem Klemmbrett direkt auf der Baustelle, bevor diese in einer ruhigen Minute in die Software übertragen werden.

Diese Übertragung passiert oft an einem Klapptisch direkt neben der Baustelle, während sich darunter schon eine trübe Regenpfütze sammelt und der Laptop-Deckel offen bleibt, egal wie ungemütlich es gerade zugeht. Ob ein Programm dabei wirklich offline funktioniert oder nur so tut, zeigt sich genau in solchen Momenten. Ein eigenes Thema, das eine tiefere Betrachtung verdient. Wie man die eigene Mannschaft überhaupt so weit bringt, dass sie das Tablet freiwillig nutzt, ist ebenfalls ein Kapitel für sich; bei uns hat vor allem geholfen, dass niemand zur sofortigen Live-Eingabe gezwungen wurde.

Fotos wild in Handy-Chats zu verteilen, wie es in manchen Betrieben noch üblich ist, halte ich für keine Lösung, aber auch das ist wieder ein eigenes Thema für sich.

Tablet neben Klemmbrett mit handschriftlichen Notizen als analoger Zwischenschritt zur digitalen Dokumentation

Schulungsaufwand und Hardware: das unterschätzte Kleingedruckte

Wer die Umstellung plant, sollte nicht nur auf bunte Dashboards schauen. Rechnen Sie mit etwa zwei bis drei Stunden Schulungsaufwand pro Mitarbeiter – am besten nicht am Stück, sondern direkt am Gerät auf der Baustelle verteilt. Ein gewöhnliches Tablet ohne robuste Schutzhülle übersteht auf einer Tiefbau-Baustelle erfahrungsgemäß keine Woche. Und jemand im Büro muss die Verantwortung übernehmen und einmal wöchentlich prüfen, ob alle Tagesberichte freigegeben sind – sonst sammelt sich das an, bis am Monatsende keiner mehr durchblickt. Abends hängen bei uns ohnehin alle Tablets an derselben Ladestation im Büro, das erleichtert wenigstens diese eine Kontrolle.

Genau um diese Verzahnung zwischen Bautagebuch und Kalkulation geht es auch in meinem Artikel über Software für schlüsselfertiges Bauen – wer im Gewerbebau Nachträge sauber durchsetzen will, kommt an dieser Tiefe nicht vorbei. Ein reines Bautagebuch ohne Anbindung an die LV-Positionen reicht dafür nicht aus, egal wie übersichtlich die Oberfläche aussieht.

SiteVisor oder Bauprogramm – für welchen Betrieb passt was?

Gerwald Buchner, der einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit acht Mitarbeitenden führt und den ich bei der Software-Einführung begleitet habe, wollte am Ende nicht das Programm mit den meisten Funktionen, sondern das mit der einfachsten Bedienung. Genau da liegt für mich der Kern des Bauprogramm-Vergleichs: SiteVisor mag für einen reinen Papier-Ausstieg ohne komplexe LV-Anbindung noch genügen, aber sobald ein Gewerbebau-Betrieb Nachträge, Abnahmen und Regieberichte rechtssicher trennen muss, stößt es an genau die Grenze, an der wir vor Jahren selbst gescheitert sind.

Wenn ich heute nach einer Fieldwire Alternative für Bauunternehmer gefragt werde, schaue ich zuerst darauf, ob mein Polier das Tool auch nach zehn Stunden auf den Beinen noch bedient – nicht darauf, was die Software auf dem Papier alles theoretisch kann. Für einen Fünf-Mann-Betrieb mit einfachen Sanierungsaufträgen mag eine schlanke Lösung wie SiteVisor reichen. Für einen Gewerbebau-Betrieb, der mit GU-Verträgen, VOB/B-Fristen und mehreren Baustellen gleichzeitig jongliert, würde ich immer zur Lösung mit vollständigem LV-Modul raten – den Umweg über die günstigere, aber unvollständige Testlizenz können Sie sich meiner Erfahrung nach sparen.

Verwandte Artikel