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Bauprogramm oder 123erfasst? Welche Software für die Zeiterfassung am Bau taugt

Bauprogramm oder 123erfasst? Welche Software für die Zeiterfassung am Bau taugt

Es war Mitte November, ein nasskalter Nachmittag, an dem der Regen so richtig waagerecht gegen die Windschutzscheibe meines Transporters peitschte. Ich saß da und versuchte, einen völlig aufgeweichten Stundenzettel meines Poliers zu entziffern. Die Tinte war verlaufen, der Matsch klebte an den Ecken, und ich wusste: Wenn ich das jetzt nicht entziffert kriege, sitzen wir am Wochenende wieder über der Lohnabrechnung und raten, wer wie lange auf der Baustelle im Tiefbau-Abschnitt 2 war. Nach sechs Jahren Excel-Chaos und vier Jahren reiner Zettelwirtschaft hatte ich die Schnauze voll.

Hinweis: Diese Seite enthält Affiliate-Links zu Bausoftware-Anbietern, deren Produkte ich auf eigenen oder von mir begleiteten Baustellen im Allgäu getestet habe. Wenn Sie über diese Links kaufen, erhalte ich eine Provision — für Sie ändert sich nichts am Preis. Ich empfehle nur Software, die ich selbst im Betrieb mit meinen 12 Mitarbeitern eingesetzt oder mindestens vier Wochen intensiv evaluiert habe.

Vom Papierkrieg zur digitalen Zeiterfassung

Als Inhaber eines kleinen Betriebs mit 12 Leuten denkt man oft, man bräuchte keine „große“ Software. Wir machen Hochbau, Sanierungen von Mehrfamilienhäusern und ab und zu mal einen Garten- und Landschaftsbau-Auftrag. Man meint, das geht alles mit Zurufen und Excel. Aber die Realität sieht anders aus: Die GoBD-Konformität sitzt uns im Nacken — 10 Jahre Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege sind kein Pappenstiel. Und wenn die Soka-Bau zur Prüfung kommt, wollen die keine verregneten Zettel sehen, sondern saubere Stundenlisten.

Ich habe zunächst SiteVisor getestet, bin dann aber auf Bauprogramm umgestiegen. Warum? Weil ich als Praktiker etwas brauche, das nicht nur die Zeit stempelt, sondern den ganzen Bauakt abbildet. Parallel dazu habe ich mir 123erfasst angeschaut, weil viele Kollegen darauf schwören. Aber Vorsicht: Was für einen großen GU mit 200 Leuten super ist, kann für uns kleine Betriebe schnell zur Last werden.

Smartphone mit digitalem Bautagebuch neben schmutzigen Arbeitshandschuhen auf einem Holztisch.

Bauprogramm oder 123erfasst: Wo liegt der Unterschied für uns Praktiker?

Hier kommt der Punkt, den viele Berater im Anzug verschweigen: Die spezialisierte Spezialisierung von 123erfasst erfordert einen deutlich höheren Einarbeitungsaufwand. Es ermöglicht zwar eine extrem tiefe Integration in komplexe bauspezifische Workflows — etwa wenn Sie riesige Gerätestationen verwalten müssen —, aber für den Alltagsbetrieb eines 12-Mann-Unternehmens wirkt es oft überladen.

Bauprogramm hingegen ist eher der Generalist für den Chef, der auch mal selbst auf dem Bagger sitzt. Es verbindet das LV (Leistungsverzeichnis), das Aufmaß und das Bautagebuch mit der Zeiterfassung. Wenn ich für eine Sanierung im Bestand ein LV mit 150 Positionen habe, will ich die Stunden direkt darauf buchen können, ohne Informatik studiert zu haben. Wer sich fragt, ob das System auch zu anderen Gewerken passt, kann mal in den Vergleich Bauprogramm oder Craftnote schauen.

Die Hürde der ersten drei Tage

Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Der Umstieg ist kein Spaziergang. Nach den ersten zwei Wochen mit Bauprogramm wollte ich fast alles hinschmeißen. Die Erstkonfiguration der Stammdaten — also alle 12 Mitarbeiter anlegen, die Lohnarten definieren und die laufenden LVs einpflegen — hat mich gut 2 bis 3 Tage gekostet. Warum? Weil es keinen „Zauber-Import“ für meine alten, verqueren Excel-Listen gab. Das war Handarbeit. Aber: Wer diese 2 bis 3 Tage nicht investiert, wird nie von der Zettelwirtschaft wegkommen.

Der Wendepunkt: Ein regnerischer Dienstagnachmittag im März

Der Moment, an dem ich wusste, dass sich die Mühe gelohnt hat, war ein Dienstag im März. Wir hatten eine Baustelle im Tiefbau, es war matschig und ungemütlich. Früher hätte ich gewartet, bis der Polier am Freitagabend mit einem Stapel Papier ins Büro kommt. Diesmal schaute ich um 16:30 Uhr in mein Dashboard. Mein Polier hatte das digitale Bautagebuch direkt auf dem Smartphone abgeschlossen. Die 40 Stunden Regelarbeitszeit der Kolonne waren korrekt verbucht, die Fotos vom Grabenverbau waren hochgeladen und — das Wichtigste — ich konnte sofort die Abschlagsrechnung vorbereiten.

Das ist der entscheidende Vorteil, wenn man Baumanagement Software mietet statt kauft: Man hat die Daten in Echtzeit. Kein Nachtelefonieren, kein „Wo ist der Zettel geblieben?“. Für kleine Betriebe ist das bares Geld, weil die Liquidität durch schnellere Abrechnungen steigt.

Tablet mit einer Baukosten-Tabelle und einem Taschenrechner auf einem Baustellenschreibtisch.

Harte Zahlen: Was bringt der Umstieg wirklich?

Lassen Sie uns über Zahlen reden. Bei 12 Mitarbeitern und einer 40-Stunden-Woche fallen im Monat ca. 1.920 Stunden an. Früher habe ich pro Woche etwa vier Stunden damit verbracht, Stundenzettel zu sortieren, zu entziffern und in Excel zu übertragen. Das sind 16 Stunden im Monat. Bei einem kalkulatorischen Unternehmerlohn von 80 Euro reden wir hier von über 1.200 Euro „verschenkter“ Zeit — jeden Monat.

Ein wichtiger Punkt, den ich oft gefragt werde: Wie haben die Jungs das aufgenommen? Ich habe dazu mal meine Erfahrungen zusammengefasst, wie man Mitarbeiter an Bausoftware gewöhnt. Kurz gesagt: Wenn der Polier merkt, dass er freitags 30 Minuten früher Feierabend hat, weil er keinen Schreibkram mehr machen muss, dann nutzt er das Tool auch.

Fazit: Bauprogramm oder 123erfasst?

Wenn Sie ein Bauunternehmen in meiner Größe führen, ist Bauprogramm oft die pragmatischere Wahl. Es ist weniger komplex als 123erfasst, deckt aber durch die Kombination aus LV, Bautagebuch und Zeiterfassung genau das ab, was wir für die tägliche Abrechnung brauchen. 123erfasst ist eine mächtige Waffe, aber man muss auch die Zeit haben, sie zu bedienen.

Kurz vor dem Sommergeschäft dieses Jahr habe ich zwei befreundeten Betrieben geholfen, das System einzuführen. Es geht nicht um schicke Knöpfe oder bunte Diagramme. Es geht darum, dass Sie am Monatsende Ihre Kosten im Griff haben und die Rechnung ohne Kopfschmerzen rausgeht. Wer heute noch mit Papier arbeitet, verliert nicht nur Zeit, sondern bei der nächsten Prüfung unter Umständen auch viel Geld wegen mangelhafter Dokumentation.

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