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Bauprogramm oder 123erfasst? Welche Software für die Zeiterfassung am Bau taugt

Bauprogramm im Test gegen 123erfasst - digitalisierte Zeiterfassung am Bau auf einer Tiefbau-Baustelle

Ein durchnässter Stundenzettel mit verlaufener Tinte lässt sich nicht mehr entziffern, auch nicht am Küchentisch bei gutem Licht. So einen Zettel hielt ich vor Jahren in der Hand, nach einer Schicht auf einer Tiefbau-Baustelle bei Memmingen, und wusste: Mit Zettel und Excel kommt ein 12-Mann-Betrieb auf Dauer nicht durch. Vorher hatten wir es mit WhatsApp-Gruppen versucht, um die Baustellen zu koordinieren, jeder Polier hatte seine eigene Gruppe, Fotos und kurze Notizen liefen dort rein. Nur wusste am Ende keiner mehr zuverlässig, welches Dokument gerade der aktuelle Stand war. Digitalisierung im Handwerk klingt in solchen Momenten weniger nach großem Wort und mehr nach der schlichten Frage: Wo liegt die richtige Zahl gerade ab?

Kurzer Hinweis vorweg, weil er zur Baustelle gehört wie der Bauzaun: Diese Seite enthält Affiliate-Links zu Bausoftware, die ich auf eigenen und auf begleiteten Baustellen im Allgäu ausprobiert habe. Kaufen Sie über einen solchen Link, bekomme ich eine Provision, Ihr Preis ändert sich dadurch nicht. Empfohlen wird hier nur, was ich in unserem 12-Mann-Betrieb selbst eingesetzt oder über Wochen hinweg ernsthaft getestet habe.

Warum WhatsApp-Gruppen unsere Baustellen nicht zusammengehalten haben

Man denkt als Chef eines kleinen Betriebs schnell, eine richtige Baumanagement-Software brauche man erst ab fünfzig Mitarbeitern. Bei uns liefen Hochbau, Sanierungen von Mehrfamilienhäusern und gelegentlich ein Garten- und Landschaftsbau-Auftrag lange über Zuruf und ein paar Excel-Tabellen, und eine Weile schien das zu reichen. Die WhatsApp-Gruppen sollten die Lücke schließen, als das Excel-System an seine Grenzen kam. Welches Foto zu welcher LV-Position gehörte und ob die letzte Nachricht überhaupt noch aktuell war, ließ sich im Chatverlauf aber nicht zuverlässig nachvollziehen. GoBD-Konformität und die zehnjährige Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege interessieren einen Prüfer der Soka-Bau herzlich wenig, wenn die Dokumentation über Dutzende Gruppenchats verstreut liegt.

Zeiterfassung am Bau ist deswegen kein Nebenschauplatz, sondern die Grundlage für Lohnabrechnung, Abschlagsrechnung und im Zweifel auch für die Rechtssicherheit gegenüber der Sozialkasse. Wer zwölf Leute im Kopf koordinieren will, merkt spätestens beim dritten parallelen Bauabschnitt, dass Zurufe und Chatnachrichten keine Dokumentation ersetzen.

Smartphone mit Bauprogramm-App für das digitale Bautagebuch neben schmutzigen Arbeitshandschuhen auf einem Holztisch

Bauprogramm oder 123erfasst: zwei Wege zur Zeiterfassung am Bau

Nach einer kurzen SiteVisor-Phase fiel die Wahl auf Bauprogramm, weil ich als Praktiker etwas brauchte, das nicht nur Stunden stempelt, sondern LV (Leistungsverzeichnis), Aufmaß und Bautagebuch in einem Werkzeug zusammenhält. Parallel dazu habe ich mir 123erfasst angeschaut, weil mehrere Kollegen mit größeren Betrieben darauf schwören — bei einem GU mit 200 Leuten und eigenem Maschinenpark ergibt das durchaus Sinn. Für einen 12-Mann-Betrieb wie unseren wirkt die Oberfläche dagegen schnell überladen, und die Einarbeitung dauert entsprechend länger, ohne dass wir die zusätzliche Tiefe im Alltag jemals ausnutzen würden.

Wie tief sich die Zeiterfassung technisch mit dem LV verzahnen lässt, hängt an der Schnittstelle zwischen Baustelle und Büro-Software — ein Thema, das eine eigene, ausführlichere Betrachtung verdient als ein Nebensatz hier. Wer wissen will, ob sich das Prinzip auch auf andere Gewerke übertragen lässt, findet dazu mehr im Vergleich Bauprogramm oder Craftnote.

Was hat die Umstellung wirklich gekostet?

Ehrlich beantwortet: mit zwei bis drei ganzen Tagen für die Erstkonfiguration. Alle zwölf Mitarbeiter anlegen, Lohnarten definieren, die laufenden LVs einpflegen — bei einer Sanierung im Bestand mit 150 Positionen ist das keine Sache von einer Kaffeepause. Einen fertigen Import für unsere alten, gewachsenen Excel-Listen gab es nicht, das war Handarbeit von vorne bis hinten. Wie man diesen Schritt strukturiert angeht, statt sich durch hunderte Zeilen zu wühlen, ist ein eigenes Thema, das eine ausführlichere Anleitung verdient als diese paar Zeilen.

Wer diese zwei, drei Tage nicht investiert, bleibt bei der Zettelwirtschaft hängen, auch wenn die Lizenz längst aktiv ist. Der Ertrag zeigt sich erst, wenn die Stammdaten wirklich sauber stehen — vorher bringt auch die beste Software nichts.

Tablet mit Baumanagement-Software und Kostenübersicht neben einem Taschenrechner auf dem Baustellenschreibtisch

Sieben Bürostunden weniger in der fünften Woche

Der Unterschied wurde in der fünften Woche nach der Umstellung greifbar, nicht als große Erleuchtung, sondern als schlichte Zahl am Freitagabend: sieben Bürostunden, die ich in der Woche zuvor nicht mit dem Sortieren und Abtippen von Zetteln verbracht hatte. Der Polier klickte das Firmen-Tablet in die Halterung im Transporter, dieses kurze, mechanische Einrasten, das inzwischen zum festen Feierabend-Geräusch auf unseren Baustellen gehört, schloss das digitale Bautagebuch direkt vom Smartphone ab, und die Fotos vom Grabenverbau lagen im System, bevor er überhaupt zurück im Büro war. Kein Anruf am Freitagabend, kein Rätselraten mehr, wer wie lange auf welcher Baustelle war.

Für die Liquidität eines kleinen Betriebs macht das einen echten Unterschied, weil Abschlagsrechnungen früher rausgehen, sobald das Aufmaß tagesaktuell ist. Die Frage, ob Baumanagement Software mietet statt kauft, spielt hier mit rein — bei Bauprogramm zahlen wir monatlich, statt eine große Summe auf einen Schlag zu investieren, und für einen 12-Mann-Betrieb ohne dicke Rücklage ist das kein kleiner Punkt.

Oft werde ich gefragt, wie die Kolonne selbst auf die Umstellung reagiert hat. Dazu habe ich meine Erfahrungen woanders gesammelt, wie man Mitarbeiter an Bausoftware gewöhnt — in einem Satz: Sobald der Polier merkt, dass er freitags eine halbe Stunde früher aus der Baustelle kommt, weil das Abtippen und Sortieren der Zettel am Feierabend wegfällt, nutzt er das Tool auch ohne Diskussion.

Wo Bauprogramm an seine Grenzen stößt

Perfekt ist das Werkzeug deswegen nicht. Bei schwachem Netz auf abgelegenen Baustellen ist außerdem die Frage, wie zuverlässig die Offline-Synchronisation greift, kein Randthema; das habe ich an anderer Stelle ausführlicher untersucht. Gleiches gilt für das Mängelprotokoll bei der Abnahme, für ein sauberes Nachtragsmanagement, wenn sich die Leistung während der Baustelle ändert, und für die Frage, wie eine VOB-konforme Bautagebuch-Pflicht in der Praxis aussieht. Jedes dieser Themen verdient einen eigenen Artikel und keinen Halbsatz an dieser Stelle.

Auch auf ein paar älteren Android-Tablets aus dem Fuhrpark reagiert die App spürbar zäher als auf neueren Geräten — kein Totalausfall, aber ein Wimpernschlag Verzögerung beim Ausfüllen unterwegs, der sich über einen langen Baustellentag summiert. 123erfasst federt so etwas mit mehr Rechenleistung im Hintergrund vielleicht besser ab, bezahlt das aber mit der schon erwähnten Komplexität für kleine Teams.

Einem befreundeten Betrieb die Umstellung erklären

Einer der beiden befreundeten Betriebe, denen ich in diesem Jahr bei der Einführung geholfen habe, wird von jemandem geführt, der seine freien Nachmittage lieber mit dem Mountainbike im Lechtal verbringt als vor einer Kostentabelle, genau dem musste ich die Umstellung so erklären, dass sie ihm nicht wie zusätzliche Arbeit vorkam.

Nach 15 Jahren als Bauunternehmer lautet meine Antwort darauf immer gleich: Es geht nicht um schicke Auswertungen oder bunte Diagramme, sondern darum, dass am Monatsende die Kosten stimmen und die Rechnung ohne Rückfragen rausgeht. Wenn Sie ein Bauunternehmen in unserer Größenordnung führen, ist Bauprogramm für die tägliche Zeiterfassung meistens die pragmatischere Wahl, weil es LV, Bautagebuch und Stundenzettel in einem Werkzeug bündelt, während 123erfasst seine Stärken erst bei deutlich größeren Kolonnen ausspielt. Meine Faustregel für Kollegen vor derselben Entscheidung: Sobald Sie öfter als einmal im Monat eine Abschlagsrechnung wegen fehlender Zahlen verschieben müssen, lohnt sich der Wechsel — unabhängig davon, für welches System Sie sich am Ende entscheiden.

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